རྡོ་རོ་ལངས་མ།
金刚起尸母
(rdo rje ro langs ma)
Vajravetālī
Vajravetālī oder Dorjé Rolangma auf Tibetisch (rdo rje ro langs ma) ist eine weibliche ḍākinī oder Weisheitsgöttin, die die Lehren direkt von Vajrabhairava selbst erhielt. Ihr Name kann als „unzerstörbare Vampirin“ oder „unzerstörbarer weiblicher Zombie“ übersetzt werden. Der Begriff „vetālī“ (tib. ro langs) bezieht sich auf eine Art weiblicher Geist, der mit Leichenfeldern oder Friedhöfen in Verbindung gebracht wird. Im tantrischen Buddhismus dienen diese weiblichen Figuren oft als Beschützerinnen geheimer Lehren und als Initiatorinnen von Praktizierenden in esoterisches Wissen. Sie wird als zornvolle weibliche Gottheit dargestellt, die oft auf Leichenfeldern tanzt und die Umwandlung des Todes in erwachte Weisheit symbolisiert. Ihre Rolle in dieser Tradition ist besonders wichtig, da sie diejenige ist, die diese Lehren an ihren ersten menschlichen Empfänger, den indischen Mahāsiddha Lalītavajra, weitergab. Im Zusammenhang mit der Vajrabhairava-Praxis gilt sie als seine wichtigste weibliche Gefährtin.
Laut dem Sādhanamālā (einer Sammlung von Sādhana-Texten aus dem 5. Jahrhundert) ist Vajravetālī eine zornvolle Form oder Variante der Göttin Mārīcī, die wiederum eine Emanation des Vairocana-Buddha ist. In ihrer sechsgesichtigen, zwölfarmigen Form unterscheidet sie sich von anderen Formen von Mārīcī dadurch, dass sie in einer ihrer rechten Hände einen gekreuzten Doppeldonnerschlag (viśvavajra) und in einer ihrer linken Hände eine Schlinge hält.
In traditionellen tibetischen Thangkas und Skulpturen wird Vajravetālī meist in sexueller Vereinigung (Yab-Yum) mit Vajrabhairava dargestellt, was die Untrennbarkeit von Weisheit und Mitgefühl symbolisiert. In dieser Ikonografie erscheint sie typischerweise mit ihrem rechten Bein um Vajrabhairavas Taille geschlungen, mit einer Schädelschale (kapāla) in der linken Hand und einem Ritualmesser (kartṛka) in der rechten Hand. Sie trägt eine Krone und mit Schädeln geschmückte Girlanden, und ihr flammend orangefarbenes Haar ist oft elegant am Hinterkopf zusammengebunden.
Als Gemahlin in der tantrischen Ikonografie verkörpert Vajravetālī die Weisheit (prajñā), während Vajrabhairava die Methode oder die mitfühlenden Mittel (upāya) repräsentiert. Die sexuelle Vereinigung dieser beiden Gottheiten steht für die Glückseligkeit der Erleuchtung und den nicht-dualen Zustand, der alle begrifflichen Beschränkungen übersteigt.
Vajravetālī erscheint auch in einer ähnlichen Yab-Yum-Position mit Raktayamari („Blutiger Feind des Todes“, tib. gshin rje gshed dmar), einer roten Form von Vajrabhairava/Yamāntaka, wo sie gemeinsam Yama, den Herrn des Todes, in Form eines Büffels, zusammen mit anderen Figuren, die mit weltlichen Bindungen in Verbindung gebracht werden, zertrampeln. In diesem Zusammenhang symbolisiert ihre Vereinigung insbesondere das höchste Wissen, das zur spirituellen Befreiung und damit zur Unsterblichkeit führt.
In einigen Museumsbeschreibungen wird sie als „beseelte Leiche“ bezeichnet, also als Zombie (vetālī), was ihre Verbindung mit der Umwandlung des Todes in erwachte Weisheit unterstreicht. Im Tibetischen bedeutet der Begriff „ro langs“, die Übersetzung des Sanskrit-Wortes vetālī, wörtlich „auferstandene Leiche“.
In Meditationspraktiken, die sich auf Vajrabhairava konzentrieren, visualisieren sich die Praktizierenden als Gottheit und seine Gefährtin, um die Integration von Weisheit und Mitgefühl zu kultivieren, die für die Erleuchtung erforderlich ist. Vajravetālīs Rolle in diesen Praktiken ist von wesentlicher Bedeutung, da sie die transformative Kraft der Weisheit (hier als weiblich verstanden) repräsentiert, die notwendig ist, um Hindernisse auf dem Weg zur Erleuchtung zu überwinden.
Als erste Empfängerin der Vajrabhairava-Lehren übertrug Vajravetālī diese Praktiken später an den indischen Mahāsiddha Lalītavajra und begründete damit die menschliche Linie dieses wichtigen tantrischen Systems.